Denk ich an Steinbrück in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht.
Der Peer der sagt so tolle Sachen,
Da biegt man sich nur noch vor Lachen.
Für sein Geschwätz in nur drei Jahren
Erhielt der Mann an Honoraren,
Wozu der Durchschnitt braucht ein Leben,
Herr Steinbrück meint, so ist das eben.
Der Diktaturen Transparenz,
Behauptet er mit Vehemenz,
In der Hölle klingeln dem Goebbels die Ohren,
Denn ein Talent ward da geboren.
Finanzmärkte will Peer besteuern,
Mit der Kavallerie die Schweiz erneuern.
Doch dann hört man ihn leise schellen,
Wir dürfen die Reichen nicht verprellen.
Ich kenne die Weise, ich kenne den Text,
Ich kenn auch den Herren Verfasser,
Ich weiß, er trinkt öffentlich teuren Wein,
Für das Volk predigt er heimlich Wasser.
(Hiermit bitte ich ausdrücklich Herrn Heinrich Heine um Entschuldigung)
Ich erinnere mich an einen Roman von Stanislaw Lem. Gast im Weltraum war in früher Jugend eines meiner Lieblingsbücher. Besonders beeindruckt hatte mich eine Stelle am Anfang des Romans, als der Protagonist irgendwie – ich glaube es war sein Universalkommunikator am Arm – und nebenbei erfuhr, dass gerade die Olympiade stattfinde. Da der Mann wohl gerade nichts besseres zu tun hatte und sich auch sonst nicht schlecht fühlte, ging er hin, nahm teil und …
Ich weiß nicht mehr, ob er auf dem Treppchen landete. Aber ich weiß noch ganz genau, dass ich mir die Entwicklung des olympischen Gedankens nicht anders, als in einer Zukunft vorstellen konnte, in der sportliche Leistungen zu einer der schönsten Nebensachen der Welt werden. Der homo ludens geht hin zu den “Spielen”, vergleicht sich mit anderen und freut sich, dabei gewesen zu sein.
Es sind siebenundfünfzig Jahre Entwicklung seit dem Erscheinen von Lems Roman vergangen. Der Universalkommunikator als Armbanduhr ist Wirklichkeit geworden. Die Olympischen Spiele jedoch werfen uns zweitausend Jahre zurück. Sie sind verkommen und herab gesunken zu Gladiatorenspielen bei denen mit Eiweißen vollgepumpte Mastschweine sinnlos körperschädigende Gewichte heben und androgyne Weiber schleudern den Hammer.
Der geistig und körperlich verfettete Pöbel sitzt auf den Rängen und vor der Glotze und klatscht frenetisch Beifall.
Es war nur eine Meldung nebenbei, dass die Sieger irgendeines Laufes von einer Sportfirma über Jahre systematisch getrimmt und zuletzt sogar fern von den anderen Sportlern in Unterdruckkammern nächtigen mussten, um ihren Sponsoren die erwartete Rendite einzufahren. Und: By the way – Die Forschung für genmanipulierte Leistungssteigerungen gestaltet sich gerade zu einer zukunftsträchtigen Branche.
Ein drittel der deutschen Olympiateilnehmer sind Sportsoldaten. Und der oberste Kriegsherr dieser Söldner (wir haben eine Berufsarmee) bemängelt den mangelnden Siegeswillen seiner Soldaten. Das ist römische Dekadenz in Reinkultur.
Und dann gibt es da einen Innenminister in Deutschland, der allen Ernstes glaubt, er sei der demokratischen Öffentlichkeit keine Rechenschaft schuldig, für welche Siege er deren Steuergelder verwendet. Am Rande greint die journalistische Schikeria, dass die olympischen Mastschweine andernorts mit Millionen belohnt werden.
Was ist der Wille zum Sieg in einer Gesellschaft, die das “Flink wie die Windhunde…” für bedeutsamer hält, als ihr kaum mittelmäßiges Abschneiden im Pisa-Vergleich? Was ist der Wille zum Sieg in einer Gesellschaft, die mehr materielle Anreize für ihre olympischen Zuchtochsen fordert, die aber bei der Herstellung gleicher Förderungs- und Entwicklungsbedingungen von Kindern aus unterprivilegierten Schichten völlig versagt?
Ein Sieg ist es, wenn ein Feuerwehrmann ein Katze aus einem brennenden Haus rettet. Ein Sieg ist es, wenn Ärzte in Notstandsgebieten trotz widrigster Umstände das Leben eines Kindes erhalten können.
Wie erbärmlich dagegen die Siege des Usain Bolt. Mein Hauskater rennt schneller – ohne jeden Willen zum Sieg – nur so aus Spaß.
In der Debatte um die Beschneidung jüdischer und muslimischer Jungen gewinnt man zunehmend den Eindruck, dass die Voraussetzung der Befürwortung körperlicher Beschneidung mit einer Art geistiger Beschneidung einhergeht.
Vermutlich wäre es nie zu dieser Debatte gekommen, wäre das Ritual der Beschneidung ausschließlich auf den Kreis muslimischer Jungen beschränkt.
Diese Mutmaßung ist nicht ohne Gewicht. Denn, wie man angesichts der Diskussion um die Mohammed-Karikaturen sehen konnte, spielen Rücksichten auf religiöse Gefühle in der deutschen Öffentlichkeit insbesondere, wenn sie nichtbiblische Religionen betreffen, nicht wirklich eine Rolle – auf jeden Fall jedoch werden sie schnell überwunden.
Der im Zusammenhang mit den Mohammed-Karikaturen und der darum geführten Debatte recht zügig hergestellte Konsens fand seinen Ausdruck unter anderem darin, dass sich Berufs-Demagogen von Henryk M. Broder bis Joachim Gauck unter Lobeshymnen auf die Freiheit, mit dem Zeichner Kurt Westergaard solidarisierten. Jener wurde mit dem M100 Medienpreis geehrt, einer Auszeichnung die seit 2005 von einem Verein vergeben wird, dem die Chefredakteure der führenden europäischen Zeitungen und Magazine angehören. Und Broder und Gauck verhöhnten damals öffentlich jene, die sich zuvor diplomatisch für mehr Zurückhaltung ausgesprochen hatten. Unsere Kanzlerin stellte übrigens anlässlich der Verleihung fest: “Religionsfreiheit bedeutet nicht, dass die Scharia über dem Grundgesetz steht (…) Kein kultureller Unterschied kann die Missachtung der Grundrechte rechtfertigen.”
Um nicht falsch verstanden zu werden, die Kanzlerin, Herr Gauck und auch Herr Broder haben hier ausnahmsweise mal meine vollste Zustimmung.
Nun geht es aber nicht nur um muslimische, sondern auch um jüdische Beschneidungen. Insofern also nicht nur um ein muslimisches, sondern auch um ein jüdisches Religionsproblem. Da ist – obwohl vor unseren Gesetzen eigentlich alle gleich sein sollten – dann offensichtlich wohl doch ein großer Unterschied. Themen, die problematische Bereiche jüdischen Lebens in irgendeiner Weise berühren, führen in Politik und Öffentlichkeit in Deutschland offensichtlich stets zu bedingten Reflexen. Die bildliche Entsprechung dieser Reflexe findet sich in den berüchtigten drei Affen – nichts sehen, nichts hören und nichts sagen.
Letzteres lässt – nimmt man die Erkenntnisse moderner Psychologie ernst – auf eine im Wesentlichen unverarbeitete Vergangenheit schließen. Und tatsächlich hat sich die Bundesrepublik Deutschland als Rechtsnachfolger des Dritten Reiches nie sehr große Mühe mit der Aufarbeitung ihrer diesbezüglichen Geschichte gegeben. Kriegsverbrecher vom Schlage eines Friedrich Flick genießen noch heute den Nimbus großer Wohltäter in ihrer Heimatregion. Und Leute vom Schlage eines Wolf von Amerongen, denen es aufgrund ihrer nationalen und internationalen Verbindungen gelang, ihre Verantwortung klein zu reden, wurden gar mit allerhöchsten Ehren überhäuft. Doch das nur am Rande.
Fakt ist, dass unseren jüdischen Mitbürgern aus Gründen einer unbewältigten Vergangenheit eine Sonderrolle eingeräumt wird, was – und das vergisst politischer Pragmatismus gern einmal – tatsächlich und nachhaltig zu einer Ausgrenzung führt. Mit welch ungeheueren geistigen Verbiegungen Rechtfertigungsversuche jüdischer Beschneidungen einhergehen, konnte man am Grünenpolitiker Volker Beck studieren. Einer, der nach den Grundsätzen der Bibel wegen seiner sexuellen Präferenzen mit dem Tode bestraft würde, stellt sich in aller Öffentlichkeit hin und rechtfertigt mit Berufung auf die gleichen Quellen die Verletzung der körperlichen Integrität Schutzbefohlener.
Der Zusammenhang von körperlicher und geistiger Beschneidung und die daraus erwachsende tiefgreifende gesellschaftliche Deformation wird jedoch auf einer ganz anderen Ebene sichtbar. Erwartbar und insofern nicht von ungefähr melden sich nun religiöse Fundamentalisten zu Wort. Im Windschatten des Bundestagsbeschlusses zu einer aus religiösen Gründen motivierten Grundgesetzänderung wittern die Eiferer Morgenluft. Sie wollen das Rad der Geschichte zurückdrehen. Eine Debatte um – man lasse es sich auf der Zunge zergehen – Blasphemie wird jetzt in unseren Gazetten geführt.
Mal ganz davon abgesehn, dass die schauerliche These von Martin Mosebach – Kunst entstünde am ehesten im Rahmen von Verbotsbeschränkungen – durch Verweise auf einen gewissen Herrn von Goethe glänzend zu widerlegen wäre, sollte man sich schon einmal fragen, wohin wir geraten, wenn wir die Grundlagen des sekularen Staates opfern und religiösen Restaurationsbestrebungen ohne Not das Feld überlassen.
Vielleicht wäre es hilfreich sich einfach mal eines klar zu machen: Wer die religiös motivierte Zerstörungen von ein paar Statuen für Barbarei hält, hat der Schere im Kopf ein hohes Maß intellektueller Beschneidung erlaubt, wenn er der religiösen Beschneidung von Säuglingen eine zivilisatorische Berechtigung einräumt.
Mal ganz davon abgesehen, dass ich mich immer schon gefragt habe, wer denn die nach jedem Tatort angebotenen DVDs zur Sendung wirklich kauft? Aber glauben die im Ernst, dass jemand ihre geistigen Ergüsse auch noch kopieren will? Schon die unzähligen Wiederholungen gehen einem doch auf die Nerven!
Die Ideen zu 90% geklaut, die Sendungen 50 mal wiederholt und dann – wenns geht – auch noch 70 Jahre dafür kassieren? Dabei ist das alles schon mal bezahlt. Mit Rundfunkgebühren, Gebühren auf Tonträger, auf Speicherchips, auf TV- und Radiogeräte und und und …
Hier beschweren sich Leute über die Kostenlos-Mentalität, die zu Hause ihren Laptop aufklappen, auf dem sich die x-te Version des kostenlosen Betriebssystem Linux befindet. Und weil ja Autoren so schlecht bezahlt werden, wird auch gern mal die kostenlos bereit gestellte OpenSource-Textbearbeitung von OpenOffice oder – wenn schon etwas cleverer – Google-Docs verwendet. Mit beidem wird ihnen geistiges Eigentum von tausenden professionell agierender Programmierer zur freien Verfügung gestellt, doch das ist selbstverständlich. Ist ja keine Kunst.
Kaum einer dieser Schreiber, der die Gestaltung seiner Internetseite einem professionellen Studio überantwortet hätte. Das macht das Söhnchen oder ein guter Bekannter für gute Worte oder nen Appel und ‘n Ei. Der nutzt dann auch gern mal das kostenlose HTML und einen oder mehrere der vielen kostenlos vorhandenen Schriftfonts um die Seite aufzupeppen. Oder, wenn er denn gar nichts kann, wird irgendein kostenloser HTML-Baukasten benutzt. Professionell sollte der aber denn doch schon sein.
Dabei kostet allein die Erstellung so eines Schrift-Fonts mehr Gehirnschmalz als in drei Tatortserien verbraten wurde.
Ach, und Wikipedia ist ja nur ein Amateurlexikon. – Kann ja auch keiner kontrollieren, wie oft man sich dessen bedient. Ich habe in meiner Zeit als Dramaturg soviel Sch… in sogenannten professionellen und sogenannten wissenschaftlichen Standardwerken gelesen, dass es mir jetzt eigentlich eine Freude ist, wie dynamisch – und ohne rechthaberischen Allgültigkeitsanspruch – aktuelle Wissenstatbestände in Wikipedia zur Diskussion gestellt werden. Alles geistiges Eigentum.
Tja, nun muss man nicht denken, dass sich alle 51 Autoren gemeinsam hingesetzt haben, um dieses Pamphlet zu verfassen. Nein, da wurde das mit kostenlosen Apps schon an den Rand seiner Leistungsfähigkeit gebrachte Smartphone genutzt, um über die weitgehend kostenlos zur Verfügung gestellte Infrastruktur des Internets mal schnell die Zusage des einen oder anderen “Enteigneten” einzuholen.
Merkwürdigerweise wird das sogenannte geistige Eigentum immer von denen verteidigt, die zuvor das geistige Eigentum anderer gern und ausgiebig für ihre Zwecke und vor allem kostenlos in Anspruch genommen haben.
PS. Apropos Kostenlos-Mentalität
(eine wahre Geschichte)
Es war noch zu DDR-Zeiten. Eine Patenbrigade (so nannte man in der DDR die Pseudoverbrüderung von Künstlern mit “Werktätigen”) hatte ein Künstlerensemble zu einer gemeinsamen Feier eingeladen. Die Arbeiter wollten den Künstlern Gutes tun und hatten die Beziehungen ihrer führenden Gewerkschafter spielen lassen, um ein für DDR-Verhältnisse üppiges Buffet auf die Beine zu stellen. Leider fügte es sich, dass es mit dem Zeitpunkt der Verabredung ein Missverständnis gab, so dass die Künstler ein halbe Stunde zu früh zum gemeinsamen Fest erschienen.
Pech für die Arbeiter. Als diese nach Werksschluß eintrafen, war vom opulenten Buffet nur noch eine DDR-Resterampe übrig. Selbst die geöffneten Weinflaschen waren bereits zur Hälfte in eigens dafür mitgebrachten Beuteln der Künstler verschwunden.
(lohnt nur zu lesen, wenn man das Interview unten angesehen hat)
Zunächst einmal entschuldige ich mich beim fahrenden Volk, denn kein Schauspieler hat es ernsthaft verdient, mit einem derart schlechten Lügner in Verbindung gebracht zu werden. Was dieser bei seinen üblichen demagogischen Äußerungen ertappte Bundespräsident in spe hier in die Kamera stammelt, würde jedem Bühnenkünstler die Schamröte ins Gesicht treiben. Aber, liebe Theaterfreunde – schlechtes Theater ist immer auch ein Teil des Theaters – oder, wie es mir eine alte Schauspielerin einmal sagte: Du bist kein Schauspieler, wenn du nicht auch in der Lage bist, einmal zwei Stunden der Schande zu ertragen.
Doch was sind zwei Stunden Schande auf einer Bühne gegen die Schande, für vier Jahre einen notorischen Leugner ins Amt eines deutschen Staatsoberhauptes gehoben zu haben?
Wer einen Sinn dafür hat, der sieht es diesem Mann schon an, dass er sich den Umständen immer so anpasst, wie es für sein persönliches Wohl am günstigsten ist. Dass der Widerstand in der DDR nicht sein Ding war – obwohl er heute auch gern mal mehr Mut von den Bürgern erwartet, lässt er gelegentlich durchblicken. Er ist klug genug, zu wissen, dass man mit allzu offensichtlichen Lügen nicht weit kommt. Das hindert ihn jedoch nicht, sich auf seine Sozialisation in einem strammen Nazi-Haushalt zu besinnen, wenn es um die Beurteilung sozialistischer oder gar kommunistischer Bewegungen geht. Und kommunistisch ist auch gleich alles, was antikapitalistisch ist.
Ja, er “findet protestierende Bürger toll” (klingt für mich übrigens wie Mielkes: Ich liebe euch doch alle). In der DDR fand er protestierende Bürger nicht so toll. Da beriet er sich dann doch lieber mit der Stasi (politische Reaktionäre in Rot), um Proteste möglichst nicht wirksam werden zu lassen. Der den Bürgern heute Mut predigt, war in der DDR ein von der Stasi begünstigter und mit ihr kooperierender Verhinderer von Zivilcourage.
Aber, er findet (seit er wieder Bundespräsident werden kann) protestierende Bürger toll. Wenn sich der Protest allerdings gegen die Banken richtet, dann findet er ihn albern. Bei der Verteidigung des Kapitalismus läuft Gauck zur Hochform auf. Die antikapitalistische Revolution das sind die roten Reaktionäre. Und da schaut er sich um und stellt fest: “wo hätten Kommunisten schon jemals – wo ein System hingestellt, wo mehr Wohlstand, mehr Bürgerrechte und mehr Rechtsstaatlichkeit existiert?”
Gut jetzt, dass man für den Erhalt der kapitalistischen Banken auch gern mal bei den kommunistischen Unterdrückern in China um Geld und Investitionen bettelt, weil deren kommunistische Wirtschaft Zuwachsraten hat, von denen man hierzulande nur träumen kann, lassen wir mal außen vor.
Aber, den, der das hohe Lied des Kapitalismus singt, wird man doch wohl fragen dürfen, was denn die erste deutsche Diktatur auf so schreckliche Art hat wirksam werden lassen?
Und da lassen wir mal die Naziaktivisten-Familie Gauck ganz außer acht und beschränken uns nur auf den Kapitalismus und die Banken. Soweit ich mich erinnere, war der deutsche Faschismus getragen und finanziert von der deutschen kapitalistischen Großindustrie, ihren Banken und den dort investierten Großaktionären. Ohne diese hätte er nämlich gar nicht stattfinden können. Wären Krupp, Speer, Abs, Flick und Konsorten und deren Marktinteressen nicht gewesen, hätte es den 2. Weltkrieg nicht gegeben (auch nicht den ersten) und die Vernichtung von 6 Millionen europäischen Juden hätte nicht stattgefunden. Beide Weltkriege wurden um die Eroberung kapitalistischer Märkte geführt – das nur mal zur Erinnerung.
-
Ja, die Stimme des Volkes ist manchmal wunderbar. Gut jetzt, der Intellektuelle Gauck war noch nicht dabei, als man in Leipzig und anderswo “Wir sind das Volk” rief. Der riss erst seinen Rand auf, als Honecker bereits abgetreten war. Aber, wenn es um ernst zu nehmende Umwälzungen geht (die Mut erfordern und nicht ungefährlich sind), ist es nicht schlecht, wenn man das Volk erst mal vorschicken kann, um sich dann, wenn alle Messen gesungen sind, auf das hohe Ross zu setzen und ne große Lippe zu riskieren. Von da oben hört sich die Stimme des Volkes dann auch ganz anders an.
Originalton Gauck: “manchmal wissen wir nicht genau, ob die Stimme des Volkes das ist, was uns wirklich weiter hilft”.
Nun, da kann ich ihnen weiter helfen Herr Gauck. Das wissen wir immer dann nicht ganz genau, wenn wir selbst an der Macht sind. Dann brauchen wir die Stimme des Volkes nicht wirklich mehr. “Nicht jeder im Volk hat einen ganzen Stab von Mitarbeitern hinter sich”. Richtig, Herr Gauck – ganz zu schweigen von den Lobbyisten der Banken und des Kapitals. Da kann man sich dann doch “viel intensiver kümmern”.
“Nun muß man sich nicht vor dem Volk fürchten” sagt er dann und kratzt sich hinter dem Ohr.
Wer sich in der Psychologie auskennt, weiß, dass es sich hierbei um eines der acht wichtigsten Lügen-Signale handelt.
(http://claudia-hinspeter.suite101.de/luegensignale-der-koerpersprache-a70821)
Was in diesem Zusammenhang von dem großzügigen Zugeständnis an plebiszitäre Elemente zu halten ist, möge jeder selbst interpretieren.
-
Ja, er “hatte schon mal keinen Kapitalismus”. Dass Gauck dann über Entfremdung faselt, ohne auch nur im Ansatz begriffen zu haben, was in der Philosophie eines der größten Denker der europäischen Geistesgeschichte damit gemeint war, muss man allerdings nicht unbedingt seiner Neigung zur Demagogie zuschreiben. Da reicht auch festzustellen, dass er das einfach nicht begriffen hat.
Er hält die Hoffnung auf eine Welt ohne Kapitalismus – wenn’s ganz junge Leute sind, für kindlich, wenn’s Erwachsene sind, für kindisch.
Das erinnert mich irgendwie an den alten George Bernhard Shaw, der meinte, wer in seiner Jugend kein Revolutionär war, hat kein Herz. Wer es im Alter noch ist, hat keinen Verstand. (?)