hr – blog: Meine ganz persönliche Auseinandersetzung mit Gott und der Welt

DAS WAHRE OSTERN KOMMT ERST NOCH

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Für die ehrlichen unter den denkenden Menschen fällt die Geburt des Erlösers – also Weihnachten – auf den 22. April des Jahres 1724. Der da vor 290 Jahren – just in dem Jahr, als man die Stadt zur Haupt- und Residenzstadt von Preußen ernannte – als Sohn eines Sattlers in Königsberg geboren wurde, hatte zwar nicht den Augenaufschlag eines Robert Powell oder den Körper eines James Caviezel – war also eher nicht das, was man in Hollywood unter einem Helden versteht – aber er wurde zum stillen Helden aller ehrlich, aufrichtig und freiheitlich denkenden Menschen. Er, der den engen Bereich seiner Residenzstadt nahezu nie verlassen hat, wurde zum geistigen Vater des freien und mündigen Weltbürgers, denn er formulierte dessen Manifest:

“Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines andern zu bedienen. Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!”

In einer Gesellschaft in der sich die Politik so gern des sogenannten mündigen Bürgers bedient, sollte man ab und zu noch mal fragen dürfen, was Mündigkeit ist und wie viel Mündigkeit – gemessen an einem Anspruch der vor 230 Jahren formuliert wurde – Wirklichkeit geworden ist.

Ja, Demokratie setzt einen mündigen Bürger voraus. Wie weit her es mit dem mündigen Bürger wirklich ist und was die Politik tatsächlich von ihm hält, wird regelmäßig klar, wenn es darum geht, lebenswichtige gesellschaftliche Entscheidungen – wie beispielsweise Waffenlieferungen an demokratiefeindliche Regime – in die Hände des Volkes zu legen.

Nicht, dass ich hier den Volksentscheiden das Wort rede, doch es wäre richtiger, wenn wir nicht dauernd von der Demokratie und dem mündigen Bürger faseln würden, sondern allenfalls von einer postnatalen Phase der Demokratie und einem noch ausstehenden langen Lernprozess bis zur Erlangung der Mündigkeit des Bürgers.

Wie weit wir tatsächlich von jeder Mündigkeit entfernt sind, zeigt, dass wir bereit sind, die politische, militärische und die Meinungs-Führerschaft eines Staates anzuerkennen, in dessen Bürgerschaft jeder Dritte die wissenschaftlichen Erkenntnisse eines Charles Darwin leugnet und in dem fast jeder einstimmt, wenn es heißt: God bless America.

Und um es nur mal festzuhalten:
Die Darwin leugnen und der Auffassung sind, dass das Universum, das Leben und der Mensch durch einen unmittelbaren Eingriff eines Schöpfergottes in natürliche Vorgänge entstanden sind, die also für wahr erachten, dass sich die Welt tatsächlich wie in den Mythen der Bibel beschrieben entwickelt hat, werden als mündig bezeichnet und dürfen wählen. Ja, sie bestimmen auf dieser Welt sogar, was Gut und was Böse ist und sie sind bereit, ihre Auffassung von der Welt – wenn sie (und allein sie) es als notwendig erachten – mit Gewalt durchzusetzen.

Ahnt hier jemand, wie weit wir es noch bis zur Auferstehung der Mündigkeit haben? – Das wahre Ostern kommt erst noch!

Was ist Aufklärung? – Text im epub-Format zum Download: Was ist Aufklärung


Politik zwischen Dummheit und Verbrechen

russen_in_der_ukraine Die Ukraine steht vor einem Bürgerkrieg. Menschen, die über Jahrzehnte friedlich miteinander lebten, die ethnische Konflikte kaum kannten, weil die Ethnien längst ein familienübergreifendes Zusammenleben praktizierten, werden aufeinander schießen.

Warum? Weil Politik von Menschen gemacht wird, die sich regelmäßig in ihrer Künstlerschaft hinsichtlich der Kunst des Machbaren überschätzen.
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Was ist eigentlich Irrsinn?

 oder
Nachrichten aus dem rechts-alternativen Focus
oder
Wenn schon Aufklärung, dann ganz, Herr Dönch
(Zum heutigen Hetz-Artikel im Focus)Wer ihn nicht kennt, Herr Dönch ist der Finanzkolumnist des Focus. In seinem heutigen Hetz-Artikel macht er Stimmung gegen die EU, die gerade das Recht auf ein Konto für jeden EU-Bürger beschlossen hat.
Über die TAZ, die er als links-alternativ und Ober-Europäer beschimpft und die einräumt, dass damit vor allem die ärmeren Länder wie Bulgarien und Rumänien begünstigt werden, ergießt er seinen Spott. (siehe Focus-Artikel)

Die relative neuen EU-Bürger aus Bulgarien sind rund 7 Millionen an der Zahl und erwirtschaften pro Kopf 7300 USD pro Jahr. Bisher das Schlusslicht der EU. Zum Vergleich: Griechenland hat knapp 11 Millionen Einwohner, die rund 27000 USD pro Jahr erwirtschaften (Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner).

Die vierzig Millionen ganz neuen EU-Bürger, die wir (und soweit ich den Focus bisher gelesen habe auch das Focus-Team) uns mit der Ukraine in die EU wünschen, erwirtschaften pro Kopf knapp die Hälfte eines bulgarischen EU-Neubürgers oder etwa ein Siebentel eine griechischen EU-Altbürgers.

Wenn es also um die nicht allzu leistungsfähigen Neubürger aus der Ukraine geht, stimmt man beim Focus Herrn Schäuble schon zu, der meint, dass die Kosten kein Problem sind – Oder?

Oder kann das Finanz-Genie des Focus etwa nicht rechnen?


Quo vadis Europa?

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Einhundert Jahre, nach dem die politischen Eliten Europas unter Führerschaft Deutschlands ihre Völker in das erste universelle Morden trieben, sitzen die politisch Verantwortlichen wieder am “Grünen Tisch” und spielen Russisch Roulette. Allerdings scheinen unsere Hasardeure diesmal auf Nummer sicher gehen zu wollen, denn auf dem Tisch liegt nicht nur eine Kugel. Der rechtsliberale Nato Chef Rasmussen übt sich schon mal in Kriegsrhetorik und betont die Entschlossenheit dieses Militärbündnisses (was bei einem Militärbündnis immer nur eines heißen kann), während die Europäische Union mit einer Patrone auf der Ukraine steht, die letzte noch freie Kammer im Revolver füllt. Jetzt fehlt eigentlich nur noch einer der abdrückt. More »


Malerweg – Etappe 5 (31.08.2013)

Auf dem Weg zum Schrammstein traf ich auf einen blinden Wanderer. Er wurde von einer Frau geführt, die mir schon von Weitem zurief: “Ich weiß, es ist verrückt”. Ist es das?
Ganz davon abgesehen, dass das meiste, was man bei langen Wanderungen sieht, nichts anderes ist, als die eineinhalb Meter Weg vor einem, so ist es vielleicht auch viel mehr als das Sehen, was eine Wanderung ausmacht.

Ich konnte den Streckenverlust von gestern wieder aufholen. Die Neumannsmühle, eigentliches Ziel des gestrigen Tages war so nur Zwischenstation für die obligatorisch an fast jedem Gasthaus fällige “große Apfelschorle”. Ein Getränk, das übrigens in Qualität, Beschaffenheit, Menge und Preis enorme Unterschiede aufweisen kann. Vom goldglänzenden Bonbonwasser bis zum naturtrüben Geschmackswunder ist da alles vorhanden. Wer die gehobenen Preise mit den erreichten Höhenmetern korreliert, wird spätestens im nächsten Tal eines Besseren belehrt. Auch für die Bezeichnung “groß” scheint es im deutschen Gaststättengewerbe recht unterschiedliche Interpretationen zu geben. Doch der Wanderer mäkelt nicht – er hat Durst. Und ist der Durst groß genug, und die großen Gläser klein genug, dann trinkt man eben zwei Gläser und zahlt dafür den Preis für ein ganzes Mittagessen.

Der Aufstieg auf den Großen Winterberg – die höchste Erhebung des Malerweges – ging dann doch besser als erwartet. Das Gasthaus auf dem Berg wartete wegen einer geschlossenen Veranstaltung mit einer geschlossenen Küche auf und so durfte man sich noch einmal richtig wie in der alten DDR fühlen. Mich störte es nicht, da ich mich bei meiner längeren Wanderung eher auf ein gutes Frühstück konzentrierte und sonst mit Apfelschorle oder Malzbier auskam, doch Leute, die sich den Großen Winterberg zu einem Tagesziel erkoren haben, um dann am späten Sonntag nachmittag eine geschlossene Küche vorzufinden, werden – wenn sie die DDR kannten – ähnlich wie ich gedacht haben.

Abends gegen 19.00 Uhr endete diese Etappe in Schmilka. Natürlich konnte ich darauf gefasst sein, dass ich an einem Samstagabend in einem kleinen Urlaubsort schwerlich ein Zimmer finden würde, doch dass es so gut wie aussichtslos war, hätte ich nicht gedacht.
Die Geldbörse fest in der Hand, entschloss ich mich für das teuerste Hotel der Stadt. Die freundliche junge Dame am Empfang schüttelte aber auch da nur den Kopf. Ich weiß zwar nicht, welchen bedauernswerten Eindruck ich auf sie machte, denn ihrem Mund entrang sich ein “aber”. Ich hakte sofort ein und aus dem “aber” wurde eine der komfortabelsten und zugleich preiswertesten Übernachtungen meiner Tour.

In der Lobby des Hotels erfuhr ich wieder einmal, welche Capriolen der Zufall im Leben spielen kann. Ich musste etwas warten, bis mein Logis eingerichtet war und als ich so wartend schon beinahe eingeschlafen war, stand plötzlich mein Bruder vor mir. Er war mit seiner neuen Freundin von Königstein herunter gekommen und hatte sich die Terrasse des Hotels für einen schönen Abendausklang gewählt. Irre.