hr – blog: Meine ganz persönliche Auseinandersetzung mit Gott und der Welt

Der offene Faschismus des Henryk M. Broder

Akteure der Friedensbewegung sind für ihn ja gern mal „Pantoffelhelden“. Er dagegen ist ein echter Kämpfer. Er, der gegen das Unrecht dieser Welt mit der Füllfeder im Anschlag und an vorderster Front im Caféhaus streitet, unser aller Schwafelfreund Broder hat einen neuen Feind gefunden: Den Rechtsstaat.

Auf den ACHGUT-Seiten – jenem Blog, der als direkte Achse aller deutschen Irak-Kriegs-Befürworter zur Bush-Administration installiert wurde und der sich zum publizistischen Sammelbecken geistiger Mobilmachung gegen Grüne, Rote, Schwule und vor allem gegen Moslems entwickelt – hat H.M. Broder nun ein weiteres Mal offen seine faschistoide Grundgesinnung bekundet.

Unter dem Titel „Wir sind alle Piraten“ diffamiert und verhöhnt er rechtsstaatlichen Bemühungen um einen fairen Prozess gegen somalische Piraten und fordert mit einem Griff in die deutsche Geschichte dazu auf, kurzen Prozess mit ihnen zu machen.

Bei der Wahl seiner deutschen Vorbilder ist Broder nicht zimperlich. Weicheiern – wie dem ehemaligen deutschen Bundesminister Trittin, der nach Kenya reiste, um sich dort von der Rechtsstaatlichkeit des Vorgehens gegen die Piraten zu überzeugen – setzt Broder Vorbilder mit echter deutscher Tradition entgegen. Da wird zunächst Alfred Heinrich Karl Ludwig Graf von Waldersee angeführt; vom Deutschen Kaiser Wilhelm II nach China entsandt, um dort das internationale Interventionsheer gegen den „Boxeraufstand“ zu führen.

Zur Erinnerung:

Der Boxeraufstand war eine chinesische Bewegung gegen den europäischen, nordamerikanischen und japanischen Imperialismus.

Waldersee und seine Truppen wurden in Deutschland von Kaiser Wilhelm II mit seiner berühmten „Hunnenrede“ verabschiedet.

Zitat:

„Eine große Aufgabe harrt eurer: ihr sollt das schwere Unrecht, das geschehen ist, sühnen. Die Chinesen haben das Völkerrecht umgeworfen, sie haben in einer in der Weltgeschichte nicht erhörten Weise der Heiligkeit des Gesandten, den Pflichten des Gastrechts Hohn gesprochen. Es ist das um so empörender, als dies Verbrechen begangen worden ist von einer Nation, die auf ihre alte Kultur stolz ist. Bewährt die alte preußischen Tüchtigkeit, zeigt euch als Christen im freudigen Ertragen von Leiden, mögen Ehre und Ruhm euren Fahnen und Waffen folgen, gebt an Manneszucht und Disziplin aller Welt ein Beispiel […] Kommt ihr vor den Feind, so wird er geschlagen. Pardon wird nicht gegeben, Gefangene nicht gemacht. Wer euch in die Hände fällt, sei in eurer Hand. Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen läßt, so möge der Name Deutschlands in China in einer solchen Weise bekannt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen!„  

Das sind Broders deutsche Vorbilder.

Immerhin kam Waldersee mit seinen Truppen zu spät in China an, so dass es für echte deutsche Heldentaten kein Betätigungsfeld mehr gab. In Deutschland war man enttäuscht, es den Chinesen nicht gezeigt zu haben. Man hatte ja schließlich mittun wollen.

Wobei? Der amerikanische Befehlshaber beschrieb das so: „Man kann mit Sicherheit sagen, dass auf einen wirklichen Boxer, der getötet wurde, fünfzehn harmlose Kulis und Landarbeiter, unter ihnen nicht wenige Frauen und Kinder, kamen, die erschlagen wurden.“

Nun, mit solchen Kollateralschäden hat Broder an seinem Caféhaustisch keine Probleme. Ihn wurmt nur, dass die Deutschen nicht wirklich zum Zuge kamen. Deshalb schiebt er dann auch noch ein Beispiel echten Deutschen Heldentums nach.

Diesmal verweist der deutsche Starjournalist die zauderhaften Politiker der Bundesregierung und die Generäle der Bundeswehr auf die Heldentaten des Generalleutnants Lothar von Trotha.

Von Trotha wurde 1904 nach Deutsch-Südafrika geschickt, um dort den Aufstand der Herero und Nama niederzuschlagen. In guter deutscher Tradition formulierte auch Trotha seinen Vernichtsungsbefehl:

 „Ich, der große General der Deutschen Soldaten, sende diesen Brief an das Volk der Herero. Die Herero sind nicht mehr deutsche Untertanen. Sie haben gemordet und gestohlen, haben verwundeten Soldaten Ohren und Nasen und andere Körperteile abgeschnitten, und wollen jetzt aus Feigheit nicht mehr kämpfen. Ich sage dem Volk: Jeder, der einen der Kapitäne an eine meiner Stationen als Gefangenen abliefert, erhält tausend Mark, wer Samuel Maharero bringt, erhält fünftausend Mark. Das Volk der Herero muss jedoch das Land verlassen. Wenn das Volk dies nicht tut, so werde ich es mit dem Groot Rohr dazu zwingen. Innerhalb der Deutschen Grenzen wird jeder Herero mit und ohne Gewehr, mit oder ohne Vieh erschossen, ich nehme keine Weiber oder Kinder mehr auf, treibe sie zu ihrem Volke zurück, oder lasse auf sie schießen. Dies sind meine Worte an das Volk der Herero. Der große General des mächtigen Deutschen Kaisers.“ 

Die Niederschlagung des Herero-Aufstandes gilt in der Wissenschaft als der erste Völkermord.

Herr Broder hat das noch nicht so explizit ausgesprochen, aber augenscheinlich hat er nicht nur etwas gegen Grüne, Rote, Schwule oder Moslems. Möglicherweise hat er auch etwas gegen Gelbe und Schwarze. Auffallend ist jedenfalls, dass er zum neuen Machthaber im Weißen Haus erst einmal auf Distanz gegangen ist, während er seinen Vorgänger doch so warm ins Herz geschlossen hatte.

Auf jeden Fall hat Broder etwas dagegen, dass mit dem Piratenpack vor Somalia nicht kurzer Prozess in echter deutscher Tradition gemacht wird. Die Mühlen des Rechtsstaates sind ihm da zu langsam und zu umständlich.
Hier der Broderartikel im Original:

Wir sind alle Piraten

XXVII – IV – MMIX

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