hr – blog: Meine ganz persönliche Auseinandersetzung mit Gott und der Welt

Der Autismus des Herrn Ackermann
oder
Josef und seine Brüder

Da sitzt ein Kranker auf dem Chefsessel der größten deutschen Privatbank. Ein Autist. Wie viele Autisten verfügt auch er über eine besondere Begabung. Die seine besteht darin, schnell auf veränderte Marktlagen reagieren zu können, sehr schnell. Ackermann weiß seinen Vorteil aus jeder Veränderung des Finanzmarktes zu ziehen – ob die Kurse fallen, oder ob sie steigen, ob die Finanztürme wanken oder nicht, Ackermann macht Gewinne.

Für derart spektakuläre Begabungen hat die Marktwirtschaft ein besonderes Faible. Da stört es dann auch nicht, wenn diese Talente in der Regel mit sozialer Inkompetenz einhergehen. Doch genau das ist nun mal das Handycap der meisten Autisten: „Schwächen in sozialer Interaktion und Kommunikation sowie stereotype Verhaltensweisen“ (Wikipedia)

Und so kann es denn nicht wundern, dass der kranke Josef, kaum das der Kelch des universellen Zusammenbruchs des gesamten Marktsystems an ihm und seinem Institut vorbeigegangen scheint, wieder in seine stereotypen Verhaltensweisen verfällt. Man mag es kaum glauben, aber derselbe Mann, der noch vor einem halben Jahr der erste „Freie Marktwirtschaftler“ war, der nach dem Staat gerufen hatte, der kurz darauf eine „Neue Bescheidenheit“ der Banker anmahnte, derselbe Mann stellt, kaum, dass er sich und seine Bank wieder auf dem Trockenen wähnt, die Forderung auf, das 25 Prozent–Rendite–Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Autismus gepaart mit Amnesie.

Und: Die an Dummheit nicht zu überbietende Klientel der Markt-Schreiberlinge klatscht Beifall.

Proteste aus dem Regierungslager bleiben aus. Kaum haben sich Merkel, Steinbrück und Co. mit der Bad-Bank von Josef und seinen Brüdern über den Tisch ziehen lassen, wird es still im Lager der „Neuen Sozialen Marktwirtschaft“.

Die Deutsche Bank hat im ersten Quartal wieder Gewinne gemacht. Wen wundert das? Das ist Marktwirtschaft. Die Erfolge der Marktwirtschaft sind nicht, wie immer wieder behauptet, auf der Durchsetzung des Leistungsprinzips gegründet, sondern Marktwirtschaft ist da erfolgreich, wo es ihren Protagonisten am besten gelingt, bestehende Ungleichgewichte für den eigenen Vorteil zu nutzen. Die Finanzkrise hat die Ungleichgewichte verschärft und gleichzeitig transparenter gemacht. Da muss man nur noch zulangen.

Bevor die Demagogen aller Couleur den Begriff der „freien Marktwirtschaft“ durch die Wiederentdeckung des Begriffes „soziale Marktwirtschaft“ ersetzten, sprach man auch gern mal von Wettbewerb. Welch ein Euphemismus. Als hätte Marktwirtschaft etwas mit einer sportlichen Auseinandersetzung zu tun.

Marktwirtschaft, das ist die Fortsetzung des Krieges mit anderen Mitteln.

Und im Krieg ist alles möglich. Da werden dann auch schon mal die Kranken zu Helden.

Mal ehrlich: Wer will einem Autisten schon seine soziale Inkompetenz vorwerfen? Dass Ackermann nichts begreift und sich auch nicht verantwortlich fühlt, wenn seine 25% Gewinn irgendwo auf der Welt mindestens 25% Verlierer generieren, liegt in der Natur seiner Krankheit. Und die ist nicht heilbar.

Dass ihn Merkel, Steinbrück und Co. aber weiter frei rumlaufen lassen, offenbart, dass Kurpfuscher am Krankenbett der „freien sozialen Marktwirtschaft“ ihr Unwesen treiben.

XXIX – IV – MMIX

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