hr – blog: Meine ganz persönliche Auseinandersetzung mit Gott und der Welt

Der Deutsche Michel gegen Google Street View

Wohin man in Deutschland auch immer den Blick wendet, der Deutsche Michel feiert fröhliche Urständ. Seine hervorragendsten Eigenschaften: Kleingeistigkeit, Intoleranz, Egoismus und Denkfaulheit. Seit in Bayern das totale Rauchverbot verhängt wurde, weiß man es: Das Kleine Arschloch gibt es wirklich. Es bringt kein Studium zu Ende, rennt aber mit Unterschriftslisten von Haus zu Haus und schwadroniert da heftig über die mangelnde Bildung im Land. Soweit das Kleine Arschloch.

Daß es noch größere Arschlöcher gibt, stellte kurz darauf die Hamburger Bürgerschaft unter Beweis. Richtigstellung: Nicht die Hamburger Bürgerschaft hat einen Sieg errungen, es war die Hamburger Kleinbürgerschaft.

Die Ideale des Bürgertums heißen Freiheit – Gleichheit und Brüderlichkeit!

Erinnert sich noch wer? – Nie waren wir weiter davon entfernt!

Jetzt ist das Heer der Zipfelmützen auf Google Street View im Anmarsch. Und die größten Arschlöcher allen voran. Nicht, dass ich mit den Amis irgendwas am Hut hätte, doch nachdem nun auch über alle Medien – und zwar fast ohne Ausnahme – der Kampf gegen die Informationsfreiheit ausgebrochen ist, scheint eines klar: Die Zipfelmützen haben das Land erobert.

Was die Medien und sogennante Fachjournalisten an haarstreubendem Unsinn über das Vorhaben von Google in die Welt setzen, ist an Dummheit und Dreistigkeit nicht mehr zu überbieten. Die Dummheit besteht vor allem darin, dass diese Herrschaften mit jeder Einschränkung des Rechtes am Straßenbild (Straßenbildfreiheit – oder Panoramafreiheit) den Ast absägen, auf dem sie selbst sitzen, denn niemand ist auf dieses Recht so angewiesen wie der freie Journalismus. Die Dreistigkeit jedoch, mit der versucht wird, die Öffentlichkeit zu manipulieren, ist kaum noch zu überbieten.

Selbst in einer Sendung wie dem Ct-Magazin, die vorgibt moderne Technik für Hinz und Kunz verständlich zu machen, entblödet sich das Redaktionsteam nicht, Google Street View die Absicht der Ausspähung von Privatwohnungen zu unterstellen. Wörtlich heißt es da in einem Sendebeitrag „So kann jeder jedem ins Wohnzimmer schauen und etwas über den anderen rauskriegen“. Das ist der Gipfel der Desinformation, das ist Volksverdummung und es ist auch Volksverhetzung in Reinkultur.

Google Street View macht eine Momentaufnahme, einen Zehntelsekundenausschnitt einer einmaligen und zufälligen Situation vor einer Hausfassade, die dann vermutlich alle fünf bis zehn Jahre einmal wiederholt wird, um das Datenmaterial einigermaßen aktuell zu halten. Es wird niemand beobachtet und es wird niemand ausgespäht. Beides hätte zur Voraussetzung, dass über einen längeren Zeitraum Daten permanent erfasst würden. Aber das spielt für die selbst ernannten Richter keine Rolle. Da wird mit dem Mob geheult, damit die Quote stimmt. Jämmerlich.

Jämmerlich schon deshalb, weil es in diesem Lande keinen ernst zu nehmenden Widerstand gegen die unzähligen Adressdealer gibt, die mit unseren persönlichsten Daten Geschäfte machen – und zwar auch ziemlich schmutzige – und niemand kann und will uns davor schützen. Noch jämmerlicher insbesondere, weil man von noch keinem dieser journalistischen Weicheier einen ernst zu nehmenden Beitrag gegen das Swift-Abkommen gehört hat. Kein Aufstand in Deutschland, wenn per Gesetz die eigenen Bankdaten – und zwar nicht einmalig, sondern permanent – an einen US-Geheimdienst ausgeliefert werden, der noch vor keinem Verbrechen in der Welt zurückgeschreckt hat.

Aber wenns um ein Foto vom eigenen Gartenzwerg geht, dann probt Michel den Aufstand.

Ich könnte kotzen.

PS.
Der Autor ist lebenslanger Nichtraucher
Eine gute Idee: Resthäuser fotografieren


You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed.