hr – blog: Meine ganz persönliche Auseinandersetzung mit Gott und der Welt

51 Tatort-Autoren beschimpfen ihr Publikum

Zum FAZ-Artikel „Wir glauben, es hackt“

Mal ganz davon abgesehen, dass ich mich immer schon gefragt habe, wer denn die nach jedem Tatort angebotenen DVDs zur Sendung wirklich kauft? Aber glauben die im Ernst, dass jemand ihre geistigen Ergüsse auch noch kopieren will? Schon die unzähligen Wiederholungen gehen einem doch auf die Nerven!

Die Ideen zu 90% geklaut, die Sendungen 50 mal wiederholt und dann – wenns geht – auch noch 70 Jahre dafür kassieren? Dabei ist das alles schon mal bezahlt. Mit Rundfunkgebühren, Gebühren auf Tonträger, auf Speicherchips, auf TV- und Radiogeräte und und und …

Hier beschweren sich Leute über die Kostenlos-Mentalität, die zu Hause ihren Laptop aufklappen, auf dem sich die x-te Version des kostenlosen Betriebssystem Linux befindet. Und weil ja Autoren so schlecht bezahlt werden, wird auch gern mal die kostenlos bereit gestellte OpenSource-Textbearbeitung von OpenOffice oder – wenn schon etwas cleverer – Google-Docs verwendet. Mit beidem wird ihnen geistiges Eigentum von tausenden professionell agierender Programmierer zur freien Verfügung gestellt, doch das ist selbstverständlich. Ist ja keine Kunst.

Kaum einer dieser Schreiber, der die Gestaltung seiner Internetseite einem professionellen Studio überantwortet hätte. Das macht das Söhnchen oder ein guter Bekannter für gute Worte oder nen Appel und ’n Ei. Der nutzt dann auch gern mal das kostenlose HTML und einen oder mehrere der vielen kostenlos vorhandenen Schriftfonts um die Seite aufzupeppen. Oder, wenn er denn gar nichts kann, wird irgendein kostenloser HTML-Baukasten benutzt. Professionell sollte der aber denn doch schon sein.

Dabei kostet allein die Erstellung so eines Schrift-Fonts mehr Gehirnschmalz als in drei Tatortserien verbraten wurde.

Ach, und Wikipedia ist ja nur ein Amateurlexikon. – Kann ja auch keiner kontrollieren, wie oft man sich dessen bedient. Ich habe in meiner Zeit als Dramaturg soviel Sch… in sogenannten professionellen und sogenannten wissenschaftlichen Standardwerken gelesen, dass es mir jetzt eigentlich eine Freude ist, wie dynamisch – und ohne rechthaberischen Allgültigkeitsanspruch – aktuelle Wissenstatbestände in Wikipedia zur Diskussion gestellt werden. Alles geistiges Eigentum.

Tja, nun muss man nicht denken, dass sich alle 51 Autoren gemeinsam hingesetzt haben, um dieses Pamphlet zu verfassen. Nein, da wurde das mit kostenlosen Apps schon an den Rand seiner Leistungsfähigkeit gebrachte Smartphone genutzt, um über die weitgehend kostenlos zur Verfügung gestellte Infrastruktur des Internets mal schnell die Zusage des einen oder anderen „Enteigneten“ einzuholen.

Merkwürdigerweise wird das sogenannte geistige Eigentum immer von denen verteidigt, die zuvor das geistige Eigentum anderer gern und ausgiebig für ihre Zwecke und vor allem kostenlos in Anspruch genommen haben.

PS.
Apropos Kostenlos-Mentalität
(eine wahre Geschichte)

Es war noch zu DDR-Zeiten. Eine Patenbrigade (so nannte man in der DDR die Pseudoverbrüderung von Künstlern mit „Werktätigen“) hatte ein Künstlerensemble zu einer gemeinsamen Feier eingeladen. Die Arbeiter wollten den Künstlern Gutes tun und hatten die Beziehungen ihrer führenden Gewerkschafter spielen lassen, um ein für DDR-Verhältnisse üppiges Buffet auf die Beine zu stellen. Leider fügte es sich, dass es mit dem Zeitpunkt der Verabredung ein Missverständnis gab, so dass die Künstler ein halbe Stunde zu früh zum gemeinsamen Fest erschienen.
Pech für die Arbeiter. Als diese nach Werksschluß eintrafen, war vom opulenten Buffet nur noch eine DDR-Resterampe übrig. Selbst die geöffneten Weinflaschen waren bereits zur Hälfte in eigens dafür mitgebrachten Beuteln der Künstler verschwunden.

 

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