Sascha ‘Horst’ Lobo
oder
Immer schön geschmeidig
Sascha Lobo beschwert sich in seiner jüngsten Spiegelkolumne über einen Mangel an Quatsch im deutschen Internet. Man muss ihm zugestehen, dass er in Hinsicht auf diese Analyse mehr als konsequent ist. In der Rangliste deutscher Internet-Quatsch-Lieferanten nimmt Lobo mit Abstand den ersten Platz ein. Dass er dabei den Fontane-Satz über Genie und Ernst nicht verstanden hat, liegt in der Natur der Sache. – Nein, genauer: Es liegt in seiner Natur. Genie kann in Abwesenheit von sich selbst nicht analysiert werden.
Übrigens gab es da mal einen Schweizer Beamten, der sowas wie den Loboismus vorausgeahnt haben muss. Von ihm stammt der Satz: Zwei Dinge sind unendlich; das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum war er sich wohl nicht ganz so sicher.
Man könnte es Lobo allerdings auch ins Stammbuch schreiben, dass es wenig Sinn macht über deutsche Humorlosigkeit zu greinen. Warum hilft er dem nicht ab? Ich wäre froh, in seinen Traktaten mal was zu finden, das mich wirklich amüsieren würde. Aber: Esprit reimt sich einfach nicht auf Lobo.
Ich für meinen Teil habe mich nach Google+ geflüchtet, weil ich das Übermaß an Quatsch nicht mehr aushalten konnte. Jetzt hoffe ich täglich auf den einen oder anderen ernsthaften Beitrag und bekomme doch all zu oft nur wieder Lobo-Quatsch um die Ohren.
Richtig – im Sinne loboschen Denkvermögens – scheint mir in seiner Analyse tatsächlich zu sein, dass uns im deutschen Internet Milliardäre und Stars als Quasi-Quatsch-Vorbilder fehlen. Ich hatte da zwar den Verdacht, dass Lobo es hier mit einer hintersinnigen Doppeldeutigkeit versucht, doch ich wurde schnell auf ihn selbst zurückgeworfen.
Schön allerdings dann, dass er die Top-Ten der deutschen Blogger ins rechte Licht rückt. Das ist tatsächlich selbstironisch – gratuliere.
Wenn denn der Quatsch das Schmiermittel unserer Kommunikationsgedärme ist, dann frage ich mich, wann endlich das kommt, was dieses Schmiermittel transportieren soll?
Um nicht falsch verstanden zu werden: Letzteres bezieht sich allein darauf, dass Lobo mit seinem Schmiermittel meine Gedärme inzwischen mehr als geschmeidig gemacht hat. Will heißen, ich spüre leichte Verätzungen.
Die Tatsache, dass für ihn die ernsthafte Welt (nehmen wir mal Kriege, Hungersnöte, menschengemachte oder Naturkatastrophen) zu wenig “Relevantes” bietet, “um das ganze Internet andauernd mit ernsthaften Inhalten zu bespielen”, deutet doch wohl darauf hin, dass ganz offensichtlich die Schmiermittel in seinen Kommunikationskanälen nur unzureichend vorhanden sind. Wären die seinigen geschmeidig genug, sollte doch das eine oder andere ernsthafte Problem auch bei ihm angekommen sein – oder?
Ich finde, dass die These “Schon der erste Blick in ein normales Social Network zeigt: Internet und Peinlichkeit sind zwei schwer miteinander vereinbare Konzepte.” mit nur einem einzigen Blick auf den Google+ Account von Sascha “Horst” Lobo glänzend widerlegt ist.
Lieber Sascha Lobo, für diesmal ist es Dir noch nicht gelungen, Sigmund Freud zum Dilettanten zu degradieren: Aber, die vom Wahn Besessenen merken es nicht!
Hartmut Runge Jahrgang 1953 Maschinenbauer Fotofachverkäufer Hilfsarbeiter Hausmeister Regieassistent Theaterdramaturg Buchautor Kritiker Geschäftsführer